Agrarwissenschaftlerin: Fleisch mit Fett ist das eigentlich gute Fleisch

Mageres Fleisch gleich gutes Fleisch! - Für die Agrarwissenschaftlerin Ulrike Weiler ist das ein Mythos, mit dem man Schluss machen sollte.

Sie fordert die Verbraucher beim Fleischkauf zum Umdenken auf. Die meisten hätten keine Ahnung von Qualität, sagte Weiler im Deutschlandfunk. Ihnen sei über Jahrzehnte von Ernährungswissenschaftlern eingetrichtert worden, dass Fett schlecht sei, kritisierte die Expertin. Das sei aber falsch.

Verbraucher griffen beim Einkauf aufgrund der Fleischfarbe oft gezielt zu schlechterer Qualität. Helles Fleisch werde bevorzugt, in der falschen Annahme, dass dies das bessere sei. Doch beim Schweinefleisch ist die helle Farbe der Expertin zufolge oft ein Hinweis auf Fehlreifung. Weiler führte aus, sie empfehle ihren Studenten immer etwas provokativ, Fleisch im Supermarkt erst kurz vor Ladenschluss zu kaufen. Denn dann hätten sämtliche Hausmänner und Hausfrauen bereits das helle, magere Fleisch rausgesucht. "Und was überbleibt, ist dunkel und fett und das ist vom Genusswert her das deutlich bessere Fleisch."

Beim Kalbfleisch weise die vom Verbraucher favorisierte helle Färbung auf eine wenig artgerechte Tierhaltung und damit auch auf eine schlechtere Produktqualität hin. Die Kälber bekämen zu wenig Gras. Zudem werde versucht, die Bildung des Muskelfarbstoffs durch intensive Milchfütterung zu verzögern. Weiler sprach von einem Dilemma. So sei die Mutterkuh-Haltung beispielsweise absolut tiergerecht. Nehme man jedoch dieses Verfahren als Produktionsbasis, habe man am Ende dunkelrosa Kalbfleisch, das am Markt nicht gewünscht sei.

Die Agrarwissenschaftlerin Ulrike Weiler erläuterte ihre Thesen in unserer Sendung "Zwischentöne", die Sie hier[1] in voller Länge hören können.

Fußnoten:

  1. ^ hier (www.deutschlandfunk.de)

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